Donnerstag, 19. November 2009
If you're happy
Danach haben wir uns mit den Anderen getroffen, um Nasims Geburtsag zu feiern, ein viertel Jahrhundert ist sie jetzt alt. Zuerst waren wir in einem Café, wo wir ein Deja-vu hatten. Statt den georderten Melonen Tees kam Limonentee. Wir waren da schonmal, ziemlich am Anfang, da haben wir Essen bestellt, alle etwas verschiedenes. Dann kam der Kellner und hat uns gesagt, dass es einige Sachen nicht mehr gibt und wir aus dreien auswählen müssen. Am Ende kam dann für alle das gleiche, ich weiß nicht, wieso sie sich nicht trauen zu sagen, wenns etwas nicht gibt. Aber der Limonentee war auch lecker. Zum Essen sind wir in Dan's Bistro (und Supermarkt) gegangen, wo es recht günstig westliches Essen gibt, in meinem Fall Pizza. Heute habe ich also nicht gekocht, vielleicht morgen wieder.
Herzliche Grüße
euer Adrian
Mittwoch, 18. November 2009
Zensur II
Unzensiert konnte sich dafür "Adrians bunter Reistopf der vereinten Nationen" mit lecker Mais, roter Paprika, Zwiebele und Schwein, gebadet im Rot der Tomaten-/Schweinebrühe, in der des Brokkoli Grün den wunderbaren Komplementärkontrast bildete.
Gemütliche Grüße,
euer Adrian
Dienstag, 17. November 2009
Zensur
Unzensiert konnte sich das Mango-Curry zeigen, dass ich vorhin gekocht habe, mit viel Knoblauch (von der Tomaten-,Knoblauch- und Zwiebel-Oma), einer leckeren Mango (frisch und lecker von meiner Obst-Dame) und den restlichen Zutaten vom Unimart (Fleisch gibts in der Marktstraße abends nicht mehr): Huhn, Zucchini, Kokosmilch, Currypulver, Hühnerbrühe, Erdnussbutter. Man serviere Reis, umgestürzt aus einem Schälchen dazu und fertig ist "Adrians gelb-grüne Leichtigkeit, den Bunker umfließend" (©Adrian 2009).
Es gibt neue Fotos! Bildunterschriften mache ich morgen.
Und ich habe eine neue Gruppe Ha Thanhler, die nicht so anstrengend und auch nicht ganz so schlecht ist. Freude.
Nächtliche Grüße
euer Adrian
Montag, 16. November 2009
uh uh uh UH AHAHAHAAAAH
Das haben wir leider nicht gehört, als wir vorletztes Wochenende mit der ganzen Gruppe im Phu Quoc Nationalpark waren, außer unsere eigenen Locklaute, mit denen wir versuchten einige unserer nächsten Verwandten auf uns Aufmerksam zu machen. Die Affen mögen die Nähe der gepflasterten Touri-Wege anscheinend nicht, auf denen wir von unserem Guide durch den eindrucksvollen Urwald geführt wurden, das jedoch weniger professionell, er war dort zum ersten Mal. Eigentlich arbeitet er in einem Hanoier Kino und man hat ihm angemerkt, dass er weniger Naturbursche ist als die meisten unserer Gruppe. Aber wir haben letztendlich sogar den 1000-jährigen Baum gefunden.. Da ich jetzt nicht die Blätter einzeln beschreiben möchte, schaut doch einfach die Bilder an, die neu in der Galerie sind!
Am Abend ging es, nicht ganz planmäßig (geplant waren zwei Tage Park), in eine etwas weiter entfernte Stadt in ein erstaunlich gutes Hotel. Ich hatte 6-Bett-Zimmer mit Jugendherbergsatmosphäre erwartet, aber es war sehr komfortabel, Doppelzimmer mit eigenem Bad, TV (zwar nur mit rauschigem HanoiTV), Klimaanlage etc. Und das Essen war auch lecker, auch wenns das Standardprogramm war (sh. Parfumpagode). Das Highlight des Abends war jedoch der Ausflug zu einem Massage-Schuppen, wo Blinde bzw Sehbehinderte die Kunden durchkneten. Es war auf jeden Fall eine Erfahrung, auch wenn es nicht gerade eine Wellness-Massage war. Fleißig wechselte sich Kneten, Klatschen und Klopfen ab, unterbrochen von ruckartigen Gelenkdehnungen. Auch das Genick wurde vorsichtig, aber bestimmt zurechtgerückt. Ein bisschen Bedenken hat man dann schon, wenn am gleichen Tag in der Lokalzeitung steht, dass sich zwei Freunde gegenseitig massiert haben und einer dem anderen aus Versehen das Genick brach. Aber die Blinden wirkten vertrauenswürdig. Michael, der schon einige Zeit in Vietnam verbracht hat, warnte uns vor den „Happymassas“, die oft nach der normalen Massa angeboten werden, und das teils sehr aufdringlich, aber erfreulicherweise wurde uns diese nicht angeboten..außer einem und zwar von einem Masseur. Die Damen waren sehr anständig. Danach gings zurück zum Hotel, der Busfahrer war mittlerweile auch etwas nüchterner. Auf der Hinfahrt mutete es etwas wie Kamikaze an, vor allem weil er auch noch schielte und wohl nicht ganz optimal sah, die Bordsteine kamen manchmal gefährlich nahe. Von dem Hoterestaurant im 1. Stock aus hatte man beim Frühstück einen schönen Blick auf den Platz und Fluss. Der Platz füllte sich langsam mit Touri-Ständen und wir machten uns auf, zu dem Ticketverkauf für die Boote (wieder Blechwannen, die diesmal etwas vertrauenswürdiger aussahen), die uns durch Felsberge und durch natürliche Tunnel schifften. Die Landschaft war schöner als bei der Parfumpagode, dafür konnte man am Ende nicht aussteigen und etwas umherwandern, sondern wurde wieder an die Anlegestelle gefahren. Unsere Ruderin hatte eine interessante Technik, sie ruderte mit den Beinen, was die Fahrt deutlich beschleunigte (ich habe ein paar Videos gemacht, bei Zeiten lade ich die mal auf youtube hoch). Am Nachmittag besichtigten wir noch die „Königsstadt“, die aus zwei kleinen, fast identischen Tempeln und Touriständen bestand. Die Tempel wirkten so, als ob es zwei zum Preis von einem gegeben hatte. Insgesamt scheint es, dass die Tempel nicht mehr als Touriattraktionen sind und teils auch nur dafür gebaut wurden, bis auf die alten natürlich. Die Regierung scheint sich mit einem Tempelbauprogramm für die Tourismusindustrie bereit zu machen und so entstehen überall gleich aussehende „uralte“ Stätten – schade.
Letzte Woche hatten wir also das erste Mal mehrere feste Arbeitszeiten. Mit den Ha Thanh Schülern zwei Stunden am Tag. Wir haben Gruppen gemacht, jeder hatte also ca 6 Schüler. Ich habe mit ihnen viel Aussprache gemacht, weil sie das dann noch nicht mal verstehen müssen. Mit einigen ist es sehr mühsam, weil sie fast nichts verstehen, und das nach 4 Jahren Englischunterricht. So war es ein Kraftakt sie eine „Vater und Sohn“-Geschichte beschreiben zu lassen und sie dann noch dazu zu bringen, die Erkenntnisse schriftlich festzuhalten. Heute hatten wir dann eine Besprechung mit dem Headmaster der Schule, 62 Jahre alt und wie gewohnt fürchterliche Zähne. Anfangs wirkte er recht freundlich, er wurde mir aber immer unsympathischer. Anstatt einem Gespräch gab es erstmal eine Rede seinerseits (wir wurden aufmerksam gemacht, dass es eine ist, nachdem wir zu einigem Gesagtem unsere Meinung äußerten). Er sprach also davon, dass er auch schon in Deutschland war und dass er wisse wir Deutsche sind (fleißig pünktlich das übliche Blabla) und dass die Viets noch viel von uns übernehmen müssten in ihrer Arbeitsweise und dass wir die Denkweise der Schüler verstehen müssten, um sie unterrichten zu können und dass er auch gar nicht viel von unserem Unterricht erwartet weil wir ja keine pädagogische Erfahrung hätten (auf die Einwände, dass zwei von uns Pädagogik studiert haben und dass auch die anderen durchaus Erfahrung in Jugendarbeit haben ist er nicht weiter eingegangen). Dann durften wir auch etwas sagen (Lan, unserer Betreuerin übersetzte fleißig), nämlich was unser Problem mit den Schülern ist, dass sie augenscheinlich kein Bedürfnis haben Englisch zu lernen und deswegen auch nicht besonders aufpassen. Am Ende des mit Wiederholungen gespickten Gesprächs stellte sich dann heraus, dass das „Gespräch“ gar nicht nötig war. Der ehrenwerte Headmaster hatte nämlich schon einen Plan. Ihm wurde ja von unserem presidente oktroyiert uns fünf Mal in der Woche die Schüler Englisch unterrichten zu lassen, was er aber aufgrund seiner „pädagogischen“ Erfahrung für unsinnig hält und weil er nach einer (!) Woche noch keinen Fortschritt durch unseren Unterricht sieht (!!!) (dass nach 4 Jahren bei einer „professionellen“ Englischlehrerin noch kein Fortschritt erzielt wurde stört ihn wohl nicht) will er das jetzt umstellen: nur noch diejenigen Schüler die wirklich wollen werden unterrichtet und das 4 mal in der Woche, der Rest bekommt wie gehabt einmal in der Woche räudigen Unterricht bei der Lehrerin. Das haben sie auch nicht anders verdient diese Bengel! Einmal pro Woche soll es dann noch den Englischclub geben, bei dem kein Unterricht gehalten wird, sondern gesungen, gespielt oder gelesen wird. Also keine schlechte Idee, denn ich habe keine Lust meine Energie für unwillige Wohlstandskinder zu verbrauchen, aber hätte er das nicht gleich am Anfang sagen können?
Sehr erfreulich lief es mit den Berufsschülern. Die wollen lernen und freuen sich, dass wir da sind (habe ich zu hohe Erwartungen?). Die Leute in meiner Gruppe sind alle nett, teils etwas schüchtern, alle etwa 18, zwei sind 20, einer 22, insgesamt sind es 10. Meine Aufgabe ist, den Unterricht der Lehrerin zu vertiefen, mit Wiederholung und Zusätzlichem, etwa weiteren Vokabeln, und die „speaking and listening skills“ verbessern. Also hab ich mit ihnen über ihre „daily routine“ gesprochen, was sehr interessant war. Sie haben erstaunlich wenig unterricht, meist nur Vormittags und gehen dann schon nach Hause. Die eine schläft dann erstmal drei Stunden, insgesamt hat sie 10 Stunden schlaf pro Tag, während eine andere nur von 2 in der Nacht bis 6:30 Uhr schlummert. Am meisten hat mich die Gewohnheit von einem amüsiert, er schläft Samstagabends um um 1 Uhr morgens aufzustehen und Computer zu spielen. Ansonsten fahren die jungen Hanoier gerne einfach ziellos mit Freunden Motobike in der Stadt, auch die Mädels. Ein Pärchen ist auch dabei, beide 18 und schon seit 4 Jahren zusammen, holt er sie um halb 2 Samstags ab um sie zum Tanzclub zu fahren, den Nachmittag zu zocken, sie wieder nach Hause zu fahren und wieder zu zocken, den Angaben der Freundin zu Folge bis spät in den morgen, sie scheint seinen Tagesablauf besser zu kennen als er. Sonntags sehen sie sich dann länger. Kochen tun höchstens Mädels und das dann auch ungern, weil gezwungenermaßen für die arbeitenden Eltern, während die Jungs weit davon Abstand nehmen. Da bin ich schon froh hier zu sein und sie mit westlichen Gewohnheiten zu konfrontieren, vielleicht bewege ich ja doch ein bisschen was. Westliche Musik hört ausnahmslos niemand. Vielleicht liegt es daran, dass sie den Text nicht verstehen. An einer Ungewohntheit kann es nicht liegen, alles was im Westen in den Charts ist wird vietnamesisch "synchronisiert". Nur ein einziger übrigens gab an, ab und zu eine Stunde am Wochenende zu lernen. Sowieso bin ich einigermaßen schockiert, nachdem die Englischlehrerin Anfangs sehr kompetent wirkte, hat sie den Schülern nicht vermittelt, dass Vokabellernen wichtig zum Beherrschen einer Sprache ist, so schauen die Schüler die neuen Wörter zwar zu Hause nach und schreiben sich manchmal sogar die Bedeutungen in ihr Buch, aber richtig lernen tun sie sie nicht. Deswegen habe ich in meiner Gruppe erstmal angeordnet Vokabelhefte zu besorgen, um wenigstens die Wörter, die ich ihnen gebe, zu dokumentieren. Aber sonst wirkt das Ganze vielversprechend und macht Spaß.
Gegenüber von der Uni an der Doi Can Street habe ich zwei neue Nahrungsquellen aufgetan, einmal die Eier-und-Wurst Dame, die etwa 55 ist und etwas Deutsch kann und an ihrem kleinen Stand köstliche, scharfe Omelett- und Wurstbrötchen für 10000 Dong bereitet, und das „mittlere Café“, das einen unglaublich deliziösen Mangomilchshake bietet. Es liegt zwischen dem rechten Café, zu dem wir Anfangs immer gingen und bei dem ich immer noch ab und an Cola konsumiere, und dem linken Café, das das billigste ist, aber dafür in einer Art Innenhof etwas von der Straße abgegrenzt, von einigen Bäume übderdacht und von Vögeln in Käfigen belebt ist und so eine Abwechslung zu der Straßencafé-Atmosphäre bietet, die ich aber auch mag, wie viele Viets, die schmauchend mit einem Glas „ca phe den“ einen Ruhepol zu dem hektischen Motobike-Verkehr bilden, der nur manchmal vom klingelnden Handy gestört wird.
Ich verabschiede mich, süßes Brot gemütlich in der Mikrowelle erwärmt und mit Butter versehen, dazu ein Glas der wunderbarsten Vinamilk Milch locken meinen Gaumen und werden mich das ungemütlich kühle Draußen des Winter-werdenden Hanois (18°C) vergessen lassen.
Süße Grüße
euer Adrian
Samstag, 14. November 2009
Nachruf
Vielleicht war es auch einfach ein Zeichen um weiterzuschreiten. Ein Motobike ist doch das beste Fortbewegunsmittel hier, man kann sich auch recht günstig eines mieten, dann hat man auch keine Scherereien mit Reperaturen und wieder verkaufen. Das werde ich noch eruieren.
Für jetzt sage ich gute Nacht, morgen schreibe ich ausführlicher über Erlebtes, Träume, Wünsche, Hoffnungen und Erfüllungen. Auch Fotos gibt es morgen neue! Schade, keines von mir und meinem Radl.
Es umarmt euch
euer Adrian
Donnerstag, 5. November 2009
Arbeit!
so schreibt uns unsere Betreuerin Lan immer EMails, zB wenn sie den aktuellen Wochenplan schickt. Und auf dem steht dieses Mal mehr als sonst! Wir haben jetzt nämlich mehr Arbeit! Klingt komisch ist aber so, jedenfalls soll es so sein. Unsere Gruppe wurde aufgeteilt auf mehrere Unterrichtsmöglichkeiten: die Ha Thanh Schule, Newton Schule, Nguyen Trai Uni und den neuen „Englisch-Club“, Berufsschule und eine Schule außerhalb Hanois, in einem Dorf etwa 60 km entfernt, dort sollen zwei von uns jeweils einen Monat lang sein. Ich habe mich für die Ha Thanh und Berufsschule einteilen lassen. Die Ha Thanh Schüler teilen wir jetzt auf, sodass wir 5 Freiwillige je einen kleinen Teil der beiden Klassen unterrichten. So hat dann jeder etwa drei Schüler, die wir dann viel besser beschäftigen können und nach Können einteilen können, sodass die Besseren nicht gelangweilt sind, während die Schlechten dann auch etwas verstehen..hoffentlich. Wir arbeiten dann mit ihrem Englischbuch, das will zumindest die Lehrerin, aber solange man sich an den Themen darin orientiert ist es bestimmt auch kein Problem eigene Sachen einzubringen. Ich habe zB in einem Buchladen vereinfachte englische Lektüre gefunden, wenn ich bessere Schüler bekomme mache ich vielleicht etwas in die Richtung. Das Niveau innerhalb der Klasse schwankt ja immens, einige machen gut mit und wissen auch immer was, wenn man fragt, aber andere verstehen nichts von dem was aus meinem Mund kommt, habe ich den Eindruck. Auch bei einfachen Übungen, wie Lückentexten kriegen die nichts hin, da ist also ein „Hello, my name is“-Grundkurs nötig. Die Azubis der Berufsschule sind wohl schon besser und auch älter, etwa 18. Der Rektor der Schule wird uns auch überprüfen, weil er eine hohe Unterrichtsqualität für die Azubis will. Er würde es wohl auch wieder abbrechen, wenn wir das nicht gut machen, eine gute Sache, denn normal ist es so, erzählte uns gestern unser WG-Ami Dave, dass sich nicht groß für den Englischunterricht interessiert wird. Er bekommt meistens gesagt, er solle einfach irgendwas unterrichten, Lehrpläne gibt es nicht. Heute haben wir uns also auch mit der Lehrerin der Berufsschüler besprochen. Sie ist sehr freundlich und kompetent. Sie wirkt auch richtig motiviert, im Gegensatz zur Ha Thanh Lehrerin (deren Englisch auch schlechter ist als ihres). Es wird jetzt so laufen, dass sie ein Thema, etwa „Familie und Freunde“, bespricht und Vokabeln etc erklärt (das können wir ja schlecht einsprachig machen) und wir danach 2 h lang mit ihnen dieses Thema aufarbeiten und mit ihnen Sprechen, darum geht es ihr. Ich denke, dass ist genau das, wofür wir am besten eingesetzt werden können, weil viel erklären können wir Anfängern nicht, aber wenn die schon wissen was etwas heißt, können wir uns intensiv um die Aussprache kümmern. Die Vietnamesen lernen auf allen Gebieten mehr theoretisch, sodass praktische Dinge, wie Aussprache auf der Strecke bleiben, deshalb ist das wirklich gut so.
Also die ganze Sache kommt langsam in Schwung. Dass wir die Ha Thanh Schüler jeden Tag haben sollen, ist wohl noch nicht zu den wichtigen Leuten durchgedrungen, so haben wir sie ein Mal in der Woche, so wie die Berufsschüler, wenn wir uns da gut machen dürfen wir auch öfters ran. Überarbeiten werde ich mich jetzt zwar noch nicht, aber es ist ein Anfang!
Ansonsten habe ich natürlich auch anderes erlebt seit dem letzten Eintrag. Die Zeit vergeht doch recht schnell.. schon ist November, bald ist Weihnachten! Ein Glück, dass die Supermärkte hier nicht jetzt schon wie die deutschen mit Weihnachszeug anfangen, ich weiß nicht, ob sie es überhaupt tun, man wird sehen, es ist ja doch recht beliebt westliche Bräuche zu übernehmen hier, die Studenten haben am Wochenende zB eine Halloweenparty gemacht.Vor zwei Wochen hatte einer aus unserer Gruppe Geburtstag und wir sind Karaoke machen gegangen. Es war gleich um die Ecke von unserem alten Haus, wo noch einige von uns wohnen. Das Haus war als einziges in der Häuserreihe fertig gebaut, sieht lustig aus, die leuchtende Fassade mit den leeren Gerippen der Rohbauten daneben. Wir wurden dort von einer Heerschar von Bediensteten in einen Raum geleitet, der sehr schön eingerichtet war, mit gemütlicher Sofa-Ecke, Boxen und einem großen Bildschirm, auf dem Text und Videos der Karaokevideos abliefen. Das ganze war trotzdem etwas umständlich, man musste die gewünschten Lieder auf einen Block schreiben, der wurden von einem der zwei Viets, die vor der Tür postiert waren, runter zur Computerzentrale getragen und von dort abgespielt. Wenn ein Lied nicht mehr erwünscht war, schrie man „Anh oi next!“, was der zweite Türwächter per Walkie-Talkie an die Zentrale weiterleitete. Dann gab es noch zwei, die uns mit Getränken etc versorgt haben. Arbeit ist hier immer noch sehr billig, einen mehr oder weniger anzustellen macht keinen Unterschied. Das Karaoke an sich war ganz lustig, leider gab es nicht wirklich viele singbare Lieder. Die Auswahl beschränkte sich auf vietnamesische Lieder, die für uns Anfänger in unmöglicher Geschwindigkeit hätten gesungen werden müssen, und auf Lieder von Boyzone und den Backstreet Boys...die Viets stehen leider unglaublich auf solchen Kitsch. Einige schöne Sachen waren trotzdem dabei, etwa Lemon Tree. Ein vietnamesisches Lied haben wir doch gesungen, nämlich „Vietnam que huong toi“, das haben wir bei Duc gelernt! Das nächste Mal gehen wir trotzdem wo hin, wo es mehr Auswahl gibt, dann wird’s bestimmt noch lustiger.
Trinkselig wurde auch beim „Oktoberfest“ der Uni letzten Freitag gesungen, aber nicht hauptsächlich. Die Uni hatte dazu viele Offizielle und auch wichtige Deutsche eingeladen. Von denen kam niemand, so wichtig ist die Uni und der Einfluss vom ehrenwerten presidente wohl noch nicht. So sah es eher danach aus, dass die Wichtigsten der Uni und deren Familien da waren und natürlich wir, die „deutschen Freiwilligenstudenten“, wie es auf unseren Namesschildern steht, also feierten wir in gemütlicher Atmosphäre. Auch die Rede vom presidente tat der keinen Abbruch, sie war weniger offiziell gehalten und einen großen Teil nahmen auch wir ein, er sprach sehr herzlich über uns. Später gab es ein großes Buffet, bei dem wohl versucht wurde, ein bayerisches Angebot herzustellen, was ziemlich schief ging. Es gab zB Wurst, Bratwurst und sogar Butter, aber alles so unbayerisch, dass wirklich keine heimatlichen Gefühle aufkamen. Nichtsdestotrotz war alles lecker, auch der Rest, es gab zB noch Schnittchen, frittierten Fisch und Törtchen. Und: es gab deutsches Bier, Henninger aus Frankfurt, Augustiner zu erwarten wäre illusorisch gewesen. Viel gezahlt hat der presidente für die Veranstaltung bestimmt nicht, glaube ich, er hat da eher seine Verbindungen genutzt, der Vertreter von Henninger war zB anwesend, was darauf schließt, dass er das Bier umsonst mitgebracht hat, so klang es zumindest als wir uns mit ihm unterhielten. Auch die musikalische Untermalung kam umsonst, Hai, ein aufstrebender Starsänger kam mit einigen Tontechnikern und -technik, sowie zwei Gitarristen und leider auch einer Flötistin. Auch Hai gab in Lied zum besten, ansonsten spielten die Gitarren fleißig schmalzige Latinoklänge, Herzschmerz und Liebesglück in musikalischer Form haben in Vietnam Konjunktur. Hai drückte das so aus, dass der presidente ihn nach Unterstützung gefragt habe und er ihm natürlich gerne helfe. Eine Hand wäscht die andere, Hai hat ja vor seine Debüt-CD herauszubringen, noch dieses Jahr. Ansonsten ist er fleißig am managen für eine Hanoier Fußballmannschaft. Er war ganz sympathisch. Weniger sympathisch war die halbnackte Tänzerin im Silber-Glitzerkleid, die mit Playback und Hüftenschwingen eher billig wirkte, na, einigen Viets gefiels wenigstens, fleißig lüstern wurde mit der Handykamera gefilmt. Wir wurden, wie immer erfrischend spontan, 5 Minuten vor Beginn der Veranstaltung gebeten mit einem Lied zum Fest beizutragen. So schlossen wir später einen MP3 Player an die Anlage, druckten uns den passenden Text aus und sangen mit Wir sind Helden „Aurelie“ mit, es kam gut an. Nachdem die anderen Musiker mit ihrem Programm fertig waren kam dann schon ein bisserl Wiesn Stimmung auf, Linh (eine der Betreuerinnen) bat mich nämlich am Vormittag (ja, schon recht kurzfristig) bayerische Musik mitzubringen, nicht dass ich so etwas parat habe, aber das Internet... so konnte sich das Fest also doch ein Oktoberfest nennen. Die Viets, die schon in Deutschland waren, freuten sich sehr, zB ein netter Firmenvertreter, der 10 Jahre in Deutschland gelebt hat. Er war begeistert von uns, sagte regelmäßig „Es gibt noch viel Bier, trinkt!“ und reichte uns neue Krüge, er jedoch trank wahrscheinlich sogar mehr, was wir nicht erwarteten, zwar hatte er, für einen Viet, eine stattliche Figur, aber auch die Zeit in Deutschland hat ihn wohl abgehärtet. So fühlte er sich an diesem Abend wieder wie in Deutschland, wie er sagte, und er fühle sich generell halb als Deutscher und freue sich sehr, dass wir eine Brücke zwischen unseren Ländern seien. Später, als schon viele Gäste nach Hause gegangen waren (was gar nicht so viel später war, ich habe schon von dem frühen Aufbruch der Studenten beim Mittherbstfest berichtet), fand der inoffizielle Teil statt, es gab noch genug Bier und gute Musik (von uns, denn der vietnamesische DJ hatte nur furchtbaren Techno), einige Viets, etwa der Firmenvertreter und Henningerlieferant, alle etwa 40-50 Jahre alt, tanzten dann zu deutschen Club-Klängen mit. Es war also noch sehr lustig.
Am nächsten Tag gings dann für Jessi und mich früh raus, nämlich ins alte Viertel, wo wir von einem kleinen Bus zusammen mit richtigen Touris eingesammelt wurden. Dann ging es Richtung Parfumpagode, eine der Attraktionen außerhalb Hanois. Die Gruppe war ganz nett und bunt zusammengewürfelt, neben mir saß ein schweizer Sozialarbeiter, mit dem ich mich nett unterhielt. Außerdem reisten ein amerikanisches Rentnerehepaar, eine Vietnamesin mit ihrer amerikanischen Freundin mit vietnamesischen Wurzeln, eine Dreiergruppe Vietnamesen, die sehr lustig waren, sowie eine ältere vietnamesische Dame mit ihren Kindern. Eine Thailänderin mit ihrem westlichen Freud (woher genau habe ich nicht rausgefunden) war auch dabei. Im Preis inbegriffen waren also die Busreise, eine Bootsfahrt auf dem Fluss und die Besichtigung zweier Pagoden, sowie Mittagessen und unser Guide! Der war nett, aber er bombardierte uns schon um halb 9 in der Früh mit Wikipedia-Infos über Vietnam, also Einwohnerzahl etc und dass in einem anstrengenden gebrochenen Englisch. Doch viel wusste er nicht, Glück gehabt. Wegen starkem Stau fuhr der Busfahrer einen anderen Weg um Hanoi herum, was dann recht abenteuerlich wurde, als wir plötzlich in einer Einbahnstraße fuhren, die immer enger wurde, während sich große LKWs an uns vorbeischoben. Nach einigen Minuten gab er es auf und fuhr zurück zur anderen, richtigen Abzweigung. Auch außerhalb Hanois wird fleißig gebaut, etwa neue Straßenbahnen. Ansonsten ist die Landschaft eher langweilig, Reisfelder und einzelne Bananenplantagen prägen das Bild, alles ist in einem trüben braun gehalten. Auf dem Weg hielten wir kurz an, nämlich bei einem Touri-Einkaufsparadies. Diejenigen, die keinen Kaffee trinken wollten, konnten sich in einer kleinen Verkaufshalle die vollkommen überteuerten Mitbringsel ansehen und erwerben. In Hanoi ist das Zeug ja schon teuer, aber dort wurde es preislich richtig dreist. Ich habe mir hier im Supermarkt (was ja hier Luxus darstellt im Gegensatz zu den Straßenmärkten, ganz im Gegensatz zu uns in Deutschland) einen Kaffee von „Trung Nguyen“ gekauft, den man in den traditionellen Filtern zubereitet, der hat dort 20 000 Dong gekostet (28 000 = 1 Euro), in besagtem Touri-Laden kostete der ganze 70 000 Dong. Als ich zum Guide sagte, dass es hier expensive sei, bejahte er nur lächelnd, yes very expensive. Es ging alsbald weiter und die Landschaft änderte sich auch, es wurde noch ländlicher, wir bogen von der Autobahn (bitte nicht so wie unsere vorstellen, sie war zweispurig und erinnert mich an italienische Verhältnisse) auf eine Landstraße ab, durchquerten ein größeres Dorf, in dem es wieder richtig eng wurde, da auch wieder große LKWs passieren wollten und gerade Markt war. Die Landstraße an sich war nicht so abenteuerlich, wurde es aber durch Sand- und Kieshaufen, die in regelmäßigen Abständen die hälfte der Straße blockierten, es wurde mit den entgegenkommenden oft eng, langsamer fuhr unser Fahrer nicht. Dann sah man auch langsam die „Berge“, nicht sehr hoch, aber wie man sie sich vorstellt, schön grün bewachsen. Wir hielten am Fluss, wo schon die Boote en masse bereitstanden. Die „Boote“ waren Blechwannen, die schwimmen konnten und von je einer Frau mit Rudern bewegt wurde. Je zu viert stiegen wir also in ein Boot, wir mit der Thailänderin und ihrem Freund zusammen, wobei die Wanne schon stark wankte, viel Abstand vom Rand zum Wasser war nicht. Der erste Halt kam schnell, die drei Viets hatten ihrer Ruderin wohl gesagt, sie solle gleich bei der ersten Pagode halten, dort gab es wieder viel einzukaufen, was die drei auch fleißig taten, während der arme Guide den Rest der Gruppe einsammeln musste. Die Pagode wirkte sehr neu, als ob sie allein für Touris erbaut wäre. Das Wetter war sehr schön, die Sonne schien und die Ruhe war wunderbar, ungewohnt nach den eineinhalb Monaten Hanoier Geräuschkulisse und sehr entspannend. Der Fluss schlängelte sich gemütlich zwischen der Bergen hindurch. An den Rändern des Flusses wurde etwas in richtig angelegten Feldern, die durch Wasserstraßen zu erreichen waren, angebaut, was es war weiß ich nicht. Die Fahrt dauerte knapp eine Stunde. Dann legten wir an und gingen eine Breite Treppe und auf einer platzartigen Straße zur ersten Pagode. Die ganze Anlage, so auch der Weg dorthin, ist breit angelegt, weil bei einem bestimmten Feiertag alles dorthin strömt. Es gab auch viele große Stände, an denen man sich mit Gebetsketten etc eindecken konnte, mit uns handvoll Touris wirkte das ganze überdimensioniert und verlassen. Die erste Pagode war schön, auch ein paar Mönche sah man. Hier zerstreute sich die Gruppe etwas, sodass unser Guide sich nur einzeln Opfer suchen konnte. Er war nett, wie gesagt, aber mir hat es besser gefallen die besinnliche Atmosphäre zu genießen als seine nett gemeinten Infos zu dekodieren. Ein bisschen leid tat er mir dann schon, weil er das ganze Areal ablaufen musste um alle einzusammeln, aber das ist ja sein Job. Nach dieser Pagode gab es dann erstmal Essen, bis auf uns saß in dem großen, überdachten Saal niemand. Es gab leckeren Tofu (den esse ich hier mit am liebsten, er kommt mit einer leckeren Soße), Fisch (der etwas brackig schmeckte, der Guide hatte mir kurz davor den Tümpel gezeigt, in denen sie gehalten werden..), Rind mit Gemüse und den altbewährten Knoblauchspinat, dazu Reis und Frühlingsrollen (wie ich dies schreibe zieht ein leckerer Fleischpflanzerlgeruch von der Küche im Erdgeschoss herauf, unser Fenster geht auch zum kleinen Innenhof.. jetzt habe ich Hunger!). Da der Frauenanteil größer war, gab es für mich und den Schweizer umso mehr zu essen. Gut gefüllt begann für die, die nicht mit der Gondel hinauffuhren, der Aufstieg auf einem schönen Weg, von tropischen Pflanzen gesäumt. Leider wurde auch hier teilweise ausgebaut, sodass viele Unterstände am Wegesrand aufgebaut waren, als Behausung für die Arbeiter, aber es gab auch Teile, die noch sehr unberührt waren. Nach einigen Treppen hatte man schon den ersten schönen Ausblick auf die Täler. Nach einer guten dreiviertel Stunde schweißtreibendem Aufstieg (in regelmäßigen Abständen hatten Getränkeverkäuferinnen ihre Stände und boten fleißig an), erreichten wir die Bergstation der Gondel, nach weiteren fünf Minuten dann die Treppe die hinunter in die Parfumpagode führt. Es ist keine Pagode wie man sie sich vorstellen mag, sondern eine riesige Grotte, also kein Gebäude. Davor ist eine Art `Platz und ein Altar, dann führen links Treppen hinunter, rechts wieder hinauf, so läuft man auch durch. In der Mitte und an den Seiten sind Tropfsteinsäulen, sie zu berühren soll Wohlstand bringen. Unten angekommen blickt man auf eine hell erleuchtete Ansammlung von goldenen Buddhastatuen, ein junger Mönch betete kurz vor ihnen und schlug die Klangschale an, ein seltener Augenblick, wie der Guide sagte (denn viele Mönche gibt’s im Gegensatz zu den umliegenden nicht sozialistischen Ländern nicht). Die Höhle war also schön und eindrucksvoll, gut um einen Moment innezuhalten. Wieso sie nun Parfumpagode heißt, weiß ich nicht, besonders geduftet hat sie nicht. Dafür aber der Weg, durch die Blumen an den Seiten, die von exotischen Schmetterlingen besucht wurden. Der Abstieg war nicht mehr anstrengend, gut, denn das Wasser war alle. Die Rückfahrt auf den Wannen war noch schöne als hin, denn außer den Wannen unserer Gruppe waren keine mehr Unterwegs und die Sonne ging langsam unter und tauchte den Fluß, der schön glatt war, sodass sich die Berge grün spiegelten, in sanftes Rot. Weniger romantisch ging es am Ende der Fahrt zu als die Ruderinnen „tip, tip!“, also Trinkgeld wollten. Dabei wurden sie sehr aufdringlich, ich frage eine, die Englisch konnte, wie viel sie denn pro Überfahrt vom Ticketpreis den wir gezahlt haben (16 Dollar für den ganzen Trip) abbekommen, worauf sie 5000 Dong antwortete, was ich ihr nicht glaubte, aber als ich ihr nochmal 5000 Dong geben wollte (das angebliche Gehalt zu verdoppeln erschien mir angemessen), war ihr das zu wenig und sie wollte mehr..so hat sie halt nichts gekriegt, ich geb ja gerne etwas, viel verdienen sie bestimmt nicht und meinem Geldbeutel tut das wenig weh, aber wenn sie dann dreist werden und gleich 100 000 verlangen ist Schluss. Auf der Rückfahrt haben wir dann geschlafen, der Tag war doch einigermaßen anstrengend und ganz fit vom Vorabend war ich auch nicht. Ich habe es aber sehr genoßen, mal wieder richtig Natur um mich zu haben, frische Luft zu atmen und nichts zu hören. Nächstes Wochenende ist ein Trip mit unserer ganzen Gruppe nach Sapa geplant, in einen Nationalpark, also wird’s wieder schön grün.
Am Sonntag haben wir uns endlich Fahrräder gekauft! Wir waren bei dem Fahrradhändler, bei dem sich schon die anderen welche gekauft hatten, suchten uns je eines aus und diese wurden dann hergerichtet. Da gab es noch einiges zu tun und das hat auch recht lang gedauert. Die Methoden waren eher unorthodox, das Werkzeugverhalten der Viets ist immer amüsant. Sie haben zwar nicht für jeden Handgriff das Passende, aber benutzen das, was sie haben ganz schlau, oder zumindest so, dass es am Ende funktioniert. Bei den Radln kam ein Hammer öfter als alles andere zum Einsatz, jetzt fahren sie, bisher zuverlässig. So stürzten wir uns todesmutig in den abendlichen Verkehr, stilvoll mit neuem Mundschutz! Es ging gut und der Verkehr war nicht mehr so heftig, sodass es zwar immer noch abenteuerlich war, aber nicht gefährlich. Man muss schon sehr aufpassen, vor allem wenn rush hour ist. In der fuhren wir Dienstag von der Uni nach Hause, das ist schon aufregend. Wir müssen uns vor allem noch einen besseren Weg aussuchen, der Heimweg klappt zwar gut, aber der Hinweg zur Uni ist schwierig, denn es gibt im Zentrum, durch das wir müssen, viele Einbahnstraßen.
Nun werde ich mich langsam ins Bett bewegen, ist mal wieder spät geworden in Hanoi.
Liebste Grüße schickt euch
euer Adrian
Sonntag, 18. Oktober 2009
Haare
Ich will noch von einer Sache erzählen die ich fast verdrängt hatte. Vor dem Mittherbstfest stand auf unserem Plan für Freitag „Behinderte Kinder besuchen“ und für Samstag Vormittag „Arme Leute besuchen“. Ersteres war furchtbar, letzteres OK. Mit einem Bus wurden wir, einige Hat Thanh Schüler und Studenten zu einer Schule gebracht, an der auch sehbehinderte Kinder unterrichtet und beherbergt werden. Auch unser ehrenwerter vice president ist mitgekommen. In der Aula waren im hinteren Teil Stuhlreihen, in der Mitte waren Tische mit Stühlen zu einem Hufeisen aufgestellt, das zur Bühne offen war. Kinder der Schule saßen auf den billigen Plätzen, wir an den Tischen, abwechselnd Vietnamesen und Deutsche in der Mitte der VP und der Rektor der Schule. Dann gab es Ansprachen von Vertretern der Schule und der Uni, die meiste Zeit wurden Namen der ehrenwerten Anwesenden abgearbeitet, die Kinder waren zum Klatschen abgestellt, wir haben halbherzig mitgemacht. Dann sollten wir Geschenke an die Kinder übergeben. Mondkuchen und Coladosen, davon wurden natürlich extra viele Fotos gemacht, was kommt besser als Westler, die im Namen der Uni Geschenke an Behinderte austeilen. Ich und eine andere bekamen noch einen Sack voll Chipstüten, die wir an die Publikumskinder verteilen sollten, ich habe mich nicht gut dabei gefühlt. Ich weiß nicht, wie sehr eine Tüte Chips ihnen hilft, lieber hätte ich mit ihnen irgendwas anderes gemacht, gespielt oder so. Das einzig schöne an der Veranstaltung war noch der Auftritt von einigen blinden Kindern, die musizierten. Das haben sie schön gemacht, mit Schlagzeug, Flöte, Gitarre, und zwei traditionellen Saiteninstrumenten. Blinde Musiker faszinieren mich sowieso, wie zB Lennie Tristano. Danach gings dann wieder schnell zurück zur Uni, man wollte ja auch nicht den restlichen freien Nachmittag bei den Behinderten verbringen..Danach habe ich schon überlegt am Samstag nicht mit zu den armen Leuten zu kommen. Diesmal wurden wir, viel ökonomischer, mit Mopeds von Angestellten der Uni zu fünf armen Familien gefahren, zum fröhlichen „Westler vorzeigen und Geld und Mondkuchen mit ihnen verteilen“. Das war aber ganz OK. Ich bin bin mit einer flotten Biene auf ihrer gelben Vespa mitgefahren, das erste Mal richtig im Hanoier Verkehr und durch enge Gassen, schon dafür hat sichs gelohnt. So besuchten wir ein verwaistes Mädchen, zwei alte Männer mit schweren Krankheiten und ein Brüderpaar, das seit der frühen Kindheit vor 30 Jahren durch schweres Fieber und dadurch entstandene Missbildungen ans Bett gefesselt ist. Diesmal waren keine Kameras dabei, aber etwas seltsam war es trotzdem.
In der neuen WG haben wir uns gut eingelebt und jetzt machts auch Spaß ab und zu etwas zu kochen, immer nur Reis und Nudelsuppe ist auch nicht das Wahre. Gestern Abend gabs also Bratwurst. Klingt nicht besonders, aber hier ist es ein wahres kulinarisches Highlight. Ansonsten haben wir schon ein paar Mal Nudeln und Pfannkuchen (kann ich mittlerweile ziemlich gut) gemacht. Mal sehen, vielleicht schauen wir ja doch nochmal bei dem Professor vorbei, der uns die vietnamesische Küche näher bringen wollte (so sieht nämlich der anfänglich angepriesene „Kochkurs für vietnamesische Spezialitäten“ aus).
Gestern (17.10.) war unsere Gruppe in „Minh's Jazz Club“ im alten Viertel. Dort trat eine Band auf, bestehend aus Langnasen und Vietnamesen. Sie waren gar nicht schlecht, aber die die Lieder sehr ähnlich, zu viel Wert auf Bombastik gelegt, also immer volle Lautstärke, aber für Hanoi gut. Ich muss mittlerweile schon immer zurückrechnen, zB wenn 60 000 Dong (2 Euro) für einen Drink verlangt werden, wie wenig es doch eigentlich ist, im Vergleich zu deutschen Preisen. Aber ein bisschen erschrickt man schon, wenn man bedenkt, dass man davon dreimal Reis mit Buffet essen kann, ich habe mich schon an die billigen Preise gewöhnt. Aber ab und zu kann man sichs ja leisten, danach waren wir kurz in „Maos Red Lounge“, voll von Langnasen. Dort habe ich ein „Bierre La Rue“ konsumiert, die Brauerei wurde 1909 von einem Franzosen gegründet und es ist gut! Besser als Bia Ha Noi. Unser Bus fährt nur bis 21:30, so habe ich zum zweiten Mal erfolgreich ein Taxi ABC gerufen, das uns für einen Euro nach Hause gefahren hat.
Einen gesegneten Sonntagabend wünscht euch
euer Adrian
Mittwoch, 14. Oktober 2009
Arbeit?
Gerade hat uns Linh informiert ueber die neuesten Erkenntnisse. Einige von uns sollen nun die alten Studenten betreuen (von neuen ist noch nicht die Rede), einige duerfen kleine Gruppen (5-6) der Ha Thanh Schueler unterrichten. Fuer letzteres habe ich mich jetzt gemeldet, ich denke das macht mir mehr Spass. Angedacht ist, dass wir fuenf mal in der Woche unterrichten, aber das muss erst mal mit dem Rektor der Schule abgesprochen werden. Also langsam bewegt sich was!
Die restlichen Freiwilligen sind angekommen, drei haben noch gefehlt. Insgesamt sind wir jetzt 16 hier an der Uni, auf einen Freiwilligen kommen bisher 2 Studenten (wenn man von den angeblichen 30 Studenten ausgeht, bis jetzt habe ich ca. 10 gesehen). Heute Abend gehen wir dann alle hot pot essen, aber diesmal nicht mit Huehnchen (zu viel Knochenarbeit), sondern mit Meeresfruechten und anderem knochenlosem. Die Vietnamesen sind der Meinung, dass Fleisch ohne Knochen nicht schmeckt, so wird ein Huhn nicht wie bei uns serviert, sondern einfach ein paar Mal mit dem Beil bearbeitet, was natuerlich auch viel einfacher fuer den Koch ist. Und dazu ist Huhn dann noch teuer und viel dran ist auch nicht. Ich freue mich schon auf die dicken Muenchener Brathendl..mit knuspriger Haut.. hach ja.
Hungrige Gruesse,
Euer Adrian
P.S. Gerade ist Linh noch einmal gekommen, von den ueber 400 angekuendigten Studenten habens immerhin 100 geschafft!
Freitag, 9. Oktober 2009
1/6
Dann ist uns am Donnerstag (01.10.) große Ehre zuteil geworden. Tran Duong hat uns besucht und aus seinem Leben erzählt. Er ist als ein Kind der verdienstvollsten Parteifunktionäre in die DDR gefahren worden, damals noch mit dem Zug. Dort hat er Deutsch gelernt und eine Ausbildung gemacht. Er ist dem deutschen Volk (auch dem im Westen) seitdem zutiefst dankbar, was er eindringlich und mit glänzenden Augen wiederholte. Er freute siche sehr, dass wir diese Freundschaft als neue Generation aufrecht erhalten. Es war interessant ihm zuzuhören, aber gesehen habe ich ihn irgendwie schon als Teil vergangener Geschichte. Er war Journalist, auch einige Jahre Korrespondent in Berlin. Er verfasst auch viele Bücher, viele über Ho Chi, der ihn noch sehr prägte und er übersetzt auch viele deutsche Werke ins Vietnamesische, letztens "Deutschland ein Wintermärchen". Unsere Fragen hat er teils sehr ehrlich beantwortet, teils um Dinge herumgeredet. Er gab etwa zu, keine kritischen Texte in seinen Kolumnen zu verfassen. Als ich ihn fragte, wie denn die Jugend Ho Chi sieht, sprach er nur etwas von dem Jugendverlag, der wohl Bücher über diesen herausgibt, wie ich glaube hat Ho Chi keine Relevanz mehr für die Jüngeren, zu sehr locken westliche Werte und Lebensweise, die schon überall zu finden sind. Das Internet und Handys sind etwa sehr wichtig. Herr Duong wurde von einem Berater der Uni auf dem Gebiet Wirtschaft begleitet, auch er war in der Gruppe Kinder, die nach Deutschland kamen. Er wirkte ganz anders, viel mehr in der Gegenwart, was wohl mit seiner Arbeit zusammenhängt. Er war international als Berater in der Wirtschaft tätig und analysiert also dauernd Trends. Tran Duong arbeitet hingegen die Vergangenheit auf, interessant die beiden zusammen zu erleben.
Am Samstag (03.10.) war das Mittherbstfest (ursprünglich ein Mondfest aus China) ein Fest für Kinder. Wochen davor wird massig Spielzeug und riesige Kuschelbären verkauft. Und natürlich Mondkuchen, die es in ganz verschiedenen Teigarten und Füllungen gibt, von Fleisch bis Obst alles vertreten. Einige Studenten haben sich zu uns eingeladen, so wie zwei Mitarbeiterinnen der Uni, die gekocht haben: Frühlingsrollen (am leckersten!), Huhn (viel Arbeit zu essen, weil die Hühner hier mager sind und nur in kleine Stücke gehackt werden), Spinat (sehr lecker mit Knoblauch), Fisch und Reis. Wir saßen dann auf dem Wohnzimmerboden und haben gegessen, da der Tisch nicht groß genug für alle war. Das Essen war also gut. Dann haben unsere Studentenfreunde ihren Vodka ausgepackt, der neben dem guten "Bia Ha Noi" einige Male herumging während dem Essen. Und schon nach einer Stunde ging es den Viets nicht mehr gut, weil sie nicht wissen wie viel sie vertragen und viel zu schnell trinken. Nach und nach verabschiedeten sich die männlichen Studenten also in Richtung Klo, einer (wir nennen ihn "Coolio") verbrachte auch die Nacht dort, weil er nicht mehr stehen konnte (ich lade mal ein Video bei youtube hoch, sehr amüsant). Uns ging es Dank Erfahrung und gesunder Selbsteinschätzung allen gut, so konnten wir auch den leckeren Nachtisch genießen, den uns die fleißigen Mädchen kredenzten (in Vietnam können die jungen Frauen noch was in der Küche und trinken keinen Alkohol). Alles in allem ein wunderbarer Abend und gelungener Kulturaustausch, jedoch waren wir etwas ratlos, als wir um halb 10 wieder alleine waren, denn da gehts ja bei uns in Deutschland gerade mal mit Vorglühen los. Für die Kinder des Viertels gab es auf dem Sportplatz gegenüber eine Musikshow.
Diese Woche waren wir nach dem Unterricht einige Male im alten Viertel. Mir gefällt es dort mittlerweile gut, nachdem der erste Eindruck abschreckend war (wie ich im letzten Post das "Touri-Viertel" beschrieben habe). Man gewöhnt sich daran oft angesprochen zu werden und gewöhnt sich ein "Nein" an, bei dem die Verkäufer sofort merken, dass nichts zu holen ist. Sonst lockt das Viertel mit schönen Cafés, Bars und Läden, zB die CD/DVD Läden, bei denen man günstig viel bekommt, natürlich alles original. Und es gibt dort auch den besten Döner der Stadt, bei Aladdins Kebap! Vom Geschmack kommt er fast an deutsche Standards heran, er verwendet sogar richtiges Fladenbrot, im Gegensatz zu den Brötchen die sonst verwendet werden. Heute (09.10.) haben wir uns in verschiedenen Büros von Reiseveranstaltern Angebote für einen Trip zur Ha Long Bucht machen lassen, dort werden wir voraussichtlich das nächste Wochenende verbringen.
Nun noch zu meiner Unterkunft. Die Uni war für die Unterbringung zuständig. Das Gästehaus, das uns erst versprochen wurde, stand wegen dem Vermieter doch nicht zur Verfügung, so haben sie uns das jetzige kurzfristig organisiert. Hier gibt es keine Möbel, außer im "Wohnzimmer" und der Küche. So schlafen wir auf Matratzen auf dem Boden und leben aus dem Koffer. Unsere Wäsche trocknen wir auf Wäscheleinen, die durchs Zimmer gespannt sind. In einem Zimmer schlafen 2-3 Leute, also auch nicht gerade komfortabel. Klimaanlagen haben wir auch nicht (das ist das erste was sich der Vietnamese kauft, sobald er das Geld dazu hat). Außerdem ist es ab 05:30 Uhr laut, weil auf dem Sportplatz Lautsprecherdurchsagen zum Morgensport rufen und spätabends Schweine durch die Gassen getrieben werden, zusätzlich zu den Mopeds die ständig zu hören sind. Nach Gastfamilien wird zwar gesucht, aber es finden sich wenige und die wollen dann vorzugsweise Mädchen. Und es wird als selbstverständlich gesehen, dass wir dann die Familie in Englisch unterrichten. Jetzt hat sich sogar eine gemeldet die nur ein Mädchen aufnehmen, das Französisch sprechen kann. Also alles etwas seltsam, deswegen habe ich mir mit Jessi zusammen ein Zimmer gesucht. Morgen übernehmen wir das Zimmer von Matt, 27, Burnout Opfer der amerikanischen IT-Branche, der hier einige Monate "einfach gelebt" hat. In den beiden anderen Schlafzimmern wohnen Dave, er finanziert sich hier als Englischlehrer, und ein Tscheche. Die Wohnung ist zwar teurer als unser jetziges Haus, aber es lohnt sich. Es ist für Hanoi extrem ruhig, es gibt einen schönen Balkon, eine gute Küche, wir haben ein eigenes Bad und es ist voll möbliert! Einige Meter von der Haustür entfernt ist ein schöner See, ein Stück weiter wird gerade der alte Lenin-Park neu gebaut. Und ein japanisches Restaurant ist auch vor der Haustür. Ein Mopped werde ich mir demnächst zulegen, dann ist das Kapitel Busfahren auch endlich abgehakt, wie mit der Wohnung: für den Anfang OK, aber für länger nicht.
Euer Adrian
Samstag, 26. September 2009
Einen Bum-Bum-Döner bitte
Anfang der Woche haben wir eine Klasse der Ha Tanh Oberschule (gehört zur selben Organisation der Uni) kennen gelernt. Die Schüler sind um die 15 und die Englischkenntnisse sind sehr unterschiedlich, teils können sie kaum die Zahlen, teils sprechen sie ganz ordentlich. Das Lehrbuch sieht viel zu anspruchsvoll aus (zumindest wenn die Grundlagen nicht sitzen) und die Lehrerin, die wir auch kennen gelernt haben, ist vollkommen unmotiviert und unzufrieden mit ihrem Gehalt. Ihr Hauptarbeitsplatz ist an einer anderen Schule, hier arbeitet sie nur, um ihr Gehalt aufzubessern. Nächste Woche sollen wir 3er Gruppen in Englisch unterrichten. Da ich ja doch noch kein ausgebildeter Lehrer bin, werde ich vielleicht ein Lied mit ihnen besprechen und singen – „Singend Englisch lernen mit Adrian“. Ich sehe schon alle Mädchen in meinem Kurs.
Das historische Museum war interessant, zumindest der erste Stock. Unten konnte man Knochen von Urmenschen bewundern, auch nett, aber die Zeugnisse der späteren örtlichen Hochkulturen waren erhebender: schöne Schrifttafeln, Statuen, etc. Die Oper, 1900 von den Franzosen errichtet, konnten wir leider nicht von innen sehen. Die Studenten haben uns dann zum Hoan Kiem See geführt, in dem der Ngoc Son Tempel steht. Das umliegende Touri-Viertel ist anstrengend, man wird von Verkäufern bedrängt, die einem Fächer, Hüte, Feuerzeuge und „Bum-bum“(Sex) andrehen wollen. In den Gassen die wir in unserem Viertel täglich gehen sind wir dagegen langsam bekannt und keine große Attraktion mehr und auch sonst schauen die Leute halt, aber sind nicht so aufdringlich. Obwohl ich erst seit knapp 2 Wochen hier bin, sehe ich die Touristen schon als andere, wenn sie in den Rikschas herumgefahren werden. Von den Viets werden wir Freiwillige bestimmt auch noch als Touris gesehen, aber die, die wir schon öfters gesehen haben, sind schon anders zu uns, wie etwa der Café-Besitzer um die Ecke, bei dem wir abends einen „ca phe den“ trinken.
Heute (26.09.) waren wir zuhause, haben ausgeschlafen (endlich Wochenende!) und sind abends zum Goethe-Institut gefahren. Dort gab es ein kleines Fest mit „deutschem Essen und Trinken“. Das ganze sah dann so aus: es gab zwei Dönerstände (davon gibt es hier viele, teils gar nicht übel, bei dem vor unserer Uni sind wir schon bekannt) und später wurden noch Bratwürste verteilt, zum Runterspülen gab es Cola und Wasser – ich habe mich wie zuhause gefühlt. Die Teilnehmer der Deutschkurse haben später deutsche Lieder gesungen, z.B. „Bruder Jakob“ (ist das nicht aus Frankreich?). Auf dem Rückweg gab es im Bus doch tatsächlich eine Fahrscheinkontrolle. In jedem Bus gibt es einen Ticketverkäufer, der herumläuft und jedem ein Ticket verkaufen muss, das er von einem kleinen Block abreißt. Wenn er keins abreißt, geht das Geld in seine eigene Tasche. So wird Verkäufer und Passagier kontrolliert.
Jetzt werde ich auch schon bald ins Bett gehen. Morgen gehts mit unserer Betreuerin ins Ethnologische Museum – um 8 Uhr, heißt um halb 7 aufstehen. Am Sonntag. Verfluchte Kommunisten.
Gute Nach aus Ha Noi!
Bussi und Kussi,
euer Adrian
Freitag, 18. September 2009
Ich bin gut angekommen
Ich bin nun wirklich in Hanoi. In Frankfurt (13.09.) waren die Lichter im Flieger kaputt, deswegen bin ich mit 4h Verspätung gestartet. Den Anschlussflug im Königreich Bahrain habe ich deswegen nicht bekommen und durfte in einem der Hotels, die mit Vorbild Dubai in Windeseile hochgezogen werden nächtigen, durchaus komfortabel mit gutem persischen Essen.
Am Montag (14.09.) haben wir die Nationalbibliothek und Moschee besucht. Dort wurden wir freundlich empfangen. Besonders stolz ist man dort auf die mundgeblasenen Lampen aus Frankreich, Kronleuchter aus Österreich, den Teppichboden aus Schottland und die Fenster aus dem Iran. Abends gings weiter nach Bangkok, von dort (15.09.) mit Vietnam Airlines (das beste Essen im Vergleich) nach Hanoi.
Unsere Betreuerin von der Uni, Lan, hat uns abgeholt und zu unserem Gästehaus im Westen von Hanoi gebracht. Es ist nicht das, was zuerst geplant war und deswegen karg eingerichtet, aber es geht für den Anfang. Die Haushälterin ist eine alte Dame und sehr freundlich, versorgt uns mit Tee und Obst. Die Kommunikation ist eher suboptimal, aber mit einem Block und Wörterbuch geht’s. An der Uni sollen wir ja dann Unterricht bekommen. Die wenigen Wörter die ich schon kann, freuen die Vietnamesen. Wir waren schon in der Umgebung unterwegs, nicht die beste Gegend, dafür ists günstig, eine reichhaltige Suppe (Pho) gibt’s für 60C. Die offizielle Begrüßung hat ein Vertreter des Uni-Rektors übernommen. Er hat, wie fast alle älteren Viets, wunderschön rot-braun verfärbte Zähne, was vom Betelblatt-Kauen oder nicht zum Zahnarzt gehen kommt. Am ersten Abend flanierten wir auch schon durch die Gassen. Die Viets reagieren neugierig, freundlich, am offensten aber die Bauarbeiter in den abenteuerlichen Rohbauten. Dort hausen sie auch bis sie fertig sind, im Winter kann das ungemütlich werden. Baustoffe und Schutt werden mit Karren transportiert – per Hand.
Ganz in der Nähe ist ein mittelgroßer Markt, es gibt Gemüse, Obst, Fisch, Kröten, Kleidung, sogar einen Papp-Mercedes kann man für die Ahnen kaufen. Als wir bei den Fleischverkäufern waren, wurden gerade zwei Schweine auf einem Roller angeliefert und dann mit dem Hackebeil zerteilt. Ansonsten braucht man nicht weit laufen um etwas einzukaufen. Die meisten Hausbewohner im Erdgeschoß bieten einige Waren an, als Neben- und oft auch als Hauptverdienst. 10 Minuten zu Fuß ist die große Straße entfernt, dort ist auch ein Supermarkt, dort gibt es alles was man in den Hausläden und bei den fahrenden Händlern nicht bekommt. Hier findet man auch größere Restaurants. In den Gassen gibt es viele kleine Restaurants in denen man Suppe oder Gegrilltes essen kann. Heute waren wir Thit Cho essen: Hund. Wir bekamen geschnittenes Fleisch und eine Wurst, wohl mit allen Abfällen drin. Das Fleisch war nichts besonderes, die Wurst eher abstoßend, ein seltsamer Geschmack mit einem krümeligen Abgang. Man isst beides in Kräutern eingewickelt und in eine Minz-Soße eingetunkt, so wird es erträglicher. Wir haben uns ein Beispiel an den anderen Viets genommen und mit Vodka nachgespült, zum desinfizieren, auch wenn es erst Mittag war. Auf dem Heimweg wurden wir von zwei Trunkenbolden auf einen Selbstgebrannten eingeladen, sie haben sich sehr gefreut mit uns anstoßen zu dürfen. Obwohl wir uns auch mit Exotischem nicht zurückgehalten haben, geht es uns verdauungstechnisch allen gut.
Am Donnerstag (17.09.) hat uns der Direktor der Uni im noblen Besprechungsraum empfangen. Insgesamt wirkt die Uni überfinanziert. Bisher gibt es nur eine Hand voll Lektoren, Professoren, Vermittler und 30 Studenten, 400 sollen angeblich im Oktober mit dem neuen Semester kommen, ich habe mir bereits angewöhnt erst etwas zu glauben, wenn ich es sehe. Bis zum Ende des Monats bekommen wir Sprachunterricht und Touri-Führungen, so werden wir auch bald Ho Chi sehen, bevor er zum jährlichen Spa-Aufenthalt nach Russland abreist. Mein Tag sieht also ab Montag so aus: 08-10 Uhr Unterricht, 14-17 Uhr Ausflüge oder Unterricht. Unsere Aufgaben an der Uni sind noch unklar, „Schau ma moi, dann seng ma‘s scho“ ist auch in Hanoi die Devise.
Das Wetter war bisher ganz unterschiedlich, am ersten Tag sehr heiß, dann hat es nachts, teils tagsüber, geregnet, was die Temperaturen angenehm macht. Ganz so schlimm wie in Bahrain ist es mit den Klimaanlagen hier nicht, nur 10° statt 25° Unterschied von draußen nach drinnen, erkältet habe ich mich also noch nicht.
Es ist jetzt 18:30, ich verabschiede mich, Karaoke ruft. Fotos kommen demnächst!
Euer Adrian