Donnerstag, 7. Januar 2010

"pushpin is as good as poetry"

Warum ich ab heute freudig und schweigend aus einem Restaurant gehe, wenn die Hälfte nicht auf der Rechnung steht: Wir haben uns mit Tina und Steven im alten Viertel getroffen, im „Rock Billy“. Da läuft gute Musik, Simon&Garfunkel und Johnny Cash, und es ist gemütlich. Das Schwein süß-sauer war wirklich gut. Als es wir die Rechnung orderten, war alles von den beiden Anderen drauf, Spaghetti und Schwein waren aber nicht drauf. Nach kurzem Überlegen entschloss ich mich, das Personal, bestehend aus 4 jungen Viets, darauf aufmerksam zu machen, weil es nett und lecker war. Ich deutete auf die Rechnung und dann auf mich und Jessi und versuchte mit khong, nein, es dem Zuständigen verständlich zu machen, dass ich gerne mehr zahlen würde. Er nickte eifrig, verstanden hatte er es offensichtlich nicht. Einen Moment später kam ein Mädel mit Englischkenntnissen und einem Taschenrechner, sie deuteten es so, dass wir getrennt zahlen wollten. Ihr versuchte ich es nochmal auf Englisch zu erklären, alle waren aufgeregt – waren die Westler unzufrieden? Nach einigen Wiederholungen und der Erklärung, dass der Fisch kein Schwein war verstand sie es und holte nochmal die Karte. Sehr korrekt rechnete sie dann noch zweimal nach.
Nun die Frage, hat sich der Aufwand gelohnt? Nach utilitaristischem Standpunkt nicht. Wenn wir schweigend gezahlt hätten, wären alle glücklich gewesen. Wir, weil wir umsonst gegessen hätten und die Viets, weil wieder ein paar zufriedene Westler aus ihrem Schuppen treten. Die nicht gedeckten Kosten wären gering gewesen und mit dem nächsten Bier, das ein dicker Engländer konsumiert wieder drin. So gab es Unruhe, der Kellner fühlte sich schlecht weil er uns nicht gleich helfen konnte und kriegt noch eins auf den Deckel, weil er die Hälfte vergisst, wir mussten warten und gestikulieren. Kant wäre nicht stolz auf mich, aber der war auch nicht in Hanoi.
Hin und zurück gings per Mopped, läuft ganz gut. Ein paar mal hab ichs abgewürgt, es ist ein bisschen schwach auf der Brust, aber nach einer kleine Überholung läufts bestimmt wieder 1a. Vielleicht lass ich sogar den Tacho reparieren.

Nachdem eine weitere Lieferung Leberkas eingetroffen ist (Danke Mutter) und noch Kartoffeln da sind, werd ich mich mal an den Herd stellen. Mein Bauch verlangt Nahrung.
Hier zu sehen ist die erste Dose Leberkas, geliefert von meinem lieben Onkelchen und dekoriert von Jessi mit gebratenen Toffeln und Tomaten, selbst der süße Senf hat es hergeschafft. Er würde mir auch fehlen.

Gruß,
euer Adrian

2 Kommentare:

  1. Tja, ich habe gestern auch zu wenig gezahlt, allerdings nur ein kleines Bisschen, und deshalb den Mund gehalten. Kant hin oder her, angesichts dessen, dass fuer die Kellner tatsaechlich eher negativ ist, wenn man sich meldet, wuerde ich sagen, Schweigen ist hier Gold. Anders verhaelt es sich, wenn sie aufgrund der Existenz elektronischer Abrechensysteme gezwungen sind, einen Fehlbetrag aus der eigenen Tasche zu begleichen.
    Abgesehen davon: Guten Appetit! Und ... vorsichtig fahren, es kann jederzeit ein Wasserbueffel um die Ecke kommen. Oder, realistischer, wie heute beim Radeln bemerkt, es biegt einer ohne Licht direkt vor dir in seine Einfahrt ein, aus der Gegenrichtung natuerlich.
    P.

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  2. Andere Länder - andere Sitten?
    Der utilitaristische Standpunkt bleibt doch westlich, christlich angehaucht. Wie Kant in der Kritik der reinen Vernunft schreibt, formt der Verstand Vorstellungen und die Vernunft hilft es einzuordnen und zu bewerten. Von dem, was außerhalbe der sinnlichen Erfahrungswelt liegt, weiß man gar nichts (dies war der Ansatz für Kants Kritik an dem Gottesbeweis). Hier waren im Lokal doch verschiedene Vorstellungen in den Köpfen beteiligt.
    Ich kann mich nur anschließen, dass es wohl gut zubereitet war und ausgezeichnet geschmekt hat, so dass die Diskussion und Klärung doch fruchtbar - für beide Köpfe - war.
    Mit der Fahrerei wünsche ich alle Gute und die Anregung doch einen Helm zu tragen. Die Regeln sind nicht auf Lust sondern auf Erkenntnis gewachsen. Übrigens hast Du mich auch ins Krankenhaus gefahren mit dem Fahrradunfall. Es war nur die "Schulter", weil ich einen Helm getragen habe. Ich werde weiter mit Helm fahren, da ich nur diesen einen Kopf habe und der kaum eine Knautschzone aufweist und so tolle Vorstellungen entwirft, wie die Welt zu sehen ist und wie kurios sie aussieht.

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Hallo! Schön, dass du mitliest.
Ich freue mich über deine Gedanken dazu!
dein Adrian