Erfreulich, es gab nur eine sehr kurze offizielle Begrüßung und die war gar nicht mal sehr offiziell. Kein Austausch von Höflichkeiten, keine Reden von Brücken zwischen Vietnam und Deutschland, nur ein Glas Wasser und es ging weiter. Von dem kleinen Büro gleich rechts hinter dem Eingangstor wurden einige freiwillige Studenten Deutschlands, darunter ich, auf dem Gelände des SOS Kinderdorfes zum Kindergarten geführt. Dort wurden wir von einer Horde vietnamesischer Knirpse und Knirpsinnen und deren freundlichen Gärtnerinnen empfangen. Sie zeigten uns ein bisschen was vom Gelände, 16 Häuser gibt es, in jedem wohnen 10 Kinder mit Betreuern. Um die Ecke gibt es auch noch eine Schule. Vor, zwischen, hinter (und wäre es möglich auch unter) den Häusern sah man gepflegte Obst-, Gemüse- und Blumenpflanzen, Ranken rankten rundum rostende Rohre, romantisch. Drinnen bauten die fleißigen Kinder Klapptische auf und schafften Stühlchen herbei, um halb elf gibt’s Mittagessen. Dieses bestand aus Reis mit Omelett und Blättersuppe. Viel Abwechslungsreich ist es sicher nicht, aber man kann Nachschlag haben. Gelöffelt wurde mit Blechlöffeln, das wär bestimmt verboten (wie auch das Klapptischaufbauen) bei uns, die sind ja viel zu scharfkantig. Die schnellsten oder wenigsten Esser räumten Esswerkzeug und Stuhl fort, schafften Reismatten aus einer Kammer herbei und rollten sie auf dem bunten Schaumstoffboden aus. Wir versuchten uns nützlich zu machen und halfen, aber die Ordnung war nicht die richtige, so war unsere Arbeit umsonst, die Gärtnerin machte es nochmal richtig. Ab elf bis drei wird geschlafen.
Dort können wir also von 8 bis 11 und auch von 3 bis 4 arbeiten. Das Angebot für Vormittags nehme ich auf jeden Fall in Anspruch, ob ich dann nochmal für eine Stunde Arbeit durch die ganze Stadt fahre oder mir 4 Stunden Mittagspause antue, wohl eher nicht.
Ab nächster Woche sind die Berufsschüler in der Testphase, da gibt’s keinen Unterricht, danach werden sie militärisch ausgebildet um ihr Heimatland vor der gelben Gefahr schützen zu können, also werde ich dann erstmal Gärtner sein, wie schon damals in Riemerling für das berühmte Sozialpraktikum.
euer Adrian
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Hallo! Schön, dass du mitliest.
Ich freue mich über deine Gedanken dazu!
dein Adrian